Fotoalbum oder Geschichtsbuch?
Wenn man in alten Fotoalben blättert, dann könnte man meinen, man hätte ein Geschichtsbuch vor sich. Mir erging das so, als mir dieser Tage beim Aufräumen ein solches Album in die Hände fiel.
Jetzt sollen die Bilder ein paar ihrer Geschichten aus fast 60 Modellbauer-Jahren erzählen.

Dieses Boot war ein fantastischer Freisegler. Durch das unten beschriebene Bleiruder fuhr es prima geradeaus, und das bei jedem Wind! Wir haben mal den Test gemacht und das Modell mit allen Segeln dran, kieloben in den See gestellt: binnen Sekunden stand es wieder richtigrum und begann sofort Fahrt aufzunehmen. Beliebtes Segelrevier war eine Kiesgrube. Das Ende des Klippers kam, als er sich dem Arbeitsplatz des Kiesbaggers näherte: Eine „Tsunamiwelle“ der Baggerschaufel entmastete das Schiff. Die Alu-Masten knickten ab, als die Welle das Modell traf.
- Fotoalbum und persönliches Geschichtsbuch
- Die UNITED STATES Am 3.Juli 1952 errang der Stolz der Amerikaner das Blaue Band und behielt es bis heute! Am 2. Nov. 1969 außer Dienst gestellt, liegt sie heute in Philadelphia. Mein Papiermodell entstand 1955.
- Mein Schwerer Kreuzer BLÜCHER entstand 1956 im Maßstab 1:125 auch aus Papier.
- Trotzdem sind alle Waffen bis hin zu den 2 cm Mg’s und die E-Messer drehbar! Ebenso der Flugzeug-Katapult und die Kräne.
- Dann bekam sie ein Unterwasserschiff aus Balsa und wurde mein erstes funkgesteuertes Modell. Der Ein-Kanal-Röhren-Empfänger hatte gerade Platz unter dem Flugzeughangar und dem Schornstein!
- Der Versuchsrettungskreuzer BREMEN der DGzRS wurde am 1. Jan. 1953 in Dienst gestellt.
- 1956 war mein Nachbau fertig. Zeichnungen aus dem aktuellen Jahrbuch der DGzRS waren die Grundlage. Das Modell war ca. 50 cm lang und nicht RC-gesteuert.
- Das Tochterboot, ganz aus Papier gebaut, fährt immer schön vor dem Kreuzer, damit der nicht aufläuft!
Dann entstanden schon die ersten Segler in der Mansarden-Werft. Aber auch zahlreiche Motormodelle wurden hier mit Begeisterung gebaut.
- Meine TINA von 1957 ist badewannentauglich und nach ein paar Fotos entstanden. Das Schiff lag für einige Tage am Main und ich hatte es dort entdeckt. Die Crew wurde so lange genervt, bis ich die Bilder hatte.
- Für meine erste Konstruktion segelte sie sehr gut! Kursstabil wurde sie durch das lose angehängte Pendelruder aus Blei! Krängte das Boot, so luvte es, und das Bleiruder hielt entsprechend dagegen. Das klappte verblüffend gut!
- Die BIRD of DAWNING entstand 1958 nach einer Zeichnung aus einem Lexikon. Bei ca. 80 cm Länge wog sie nur ca. 700 g und konnte 300 g Ballast tragen. Balsarumpf und Alu-Masten brachten das geringe Gewicht.
- Die ALK entstand aus der Mistral von Schuco-Hegi. 1970 erreichte sie einen 6.Platz in der X-Klasse bei den Hessenmeisterschaften.
- 1975 versuchte man beim NAUTIKUS eine Einheitsklasse für Segler zu kreieren. So entstand u.a. das Typschiff TINA. Dieses wurde der Vermessungsformel der TEN-Rater angepasst. Rumpf 150 cm, Masthöhe 200 cm. Ballastbombe 6,5 kg. Meine Tina hieß ANITA.
- Wenn guter Wind ging musste man ANITA schon ordentlich festhalten!
CUTTY SARK – der Teeklipper
Auf einer Klassenfahrt nach London Ende der 50er Jahre stolperte ich förmlich über dieses Schiff. Wenn man Greenwich und den Null-Meridian mit der Klasse besuchte, dann kam man um die CUTTY SARK einfach nicht herum! Als ich davor stand versank die Welt um mich. Ich hatte sowas noch nie gesehen, auch den Namen CUTTY SARK kannte ich bis dahin nicht. Auch war Sonntag, und ein Besuch an Bord war nicht möglich. Doch ich nervte meine Lehrer solange, bis ich am nächsten Tag nochmal hin durfte! An Bord der CUTTY SARK – ein Traum! Ich wußte nicht, wo ich anfangen sollte, nur staunen, staunen. Irgendwo entdeckte ich eine kleine Broschüre „Modelling the Cutty Sark“. Das war der Anfang und 1963 nahm meine CUTTY SARK an den Hessenmeisterschaften teil. Danach hatte ich die Qualifikation für die C-Klasse bei der Europameisterschaft im gleichen Jahr in Nürnberg in der Tasche. Doch aus der Teilnahme wurde nichts: der Termin überschnitt sich mit meiner Facharbeiterprüfung! Trotzdem war meine CUTTY viel unterwegs! Dabei war ich immer auf Hilfe angewiesen: Ich hatte kein Auto und das Teil war doch recht sperrig, weil nichts abgetakelt werden konnte!
Auch konnte nicht gebrasst werden. Ich steuerte das Modell vom Startplatz aus ans gegenüber liegende Ufer und trug es dann zurück zur Startstelle. Je nach Gewässer war ich da schon mal gut ’ne halbe Stunde unterwegs mit 18 kg Schiff!
- Die CUTTY SARK wurde um 1960 gebaut. Ohne Beplankung waren die Schoten besser zu erreichen. Darum war die Beplankung in Balsa und GFK der letzte Akt.
- Weit über 600 Meter verschiedenes Garn wurde vertakelt.
- Der Bereich vor dem Fockmast.
- Erste Erprobung an der Kiesgrube. Gesteuert wurde nur das Ruder! Das Brassen hat nicht funktioniert.
- Unterwegs auf See 1964.
- Kleines Schiff auf großem Wasser – da war mächtiges Herzklopfen angesagt!
- Hessenmeisterschaft und Nachtregatta 1963.
Mit diesen Bildern schließt die Geschichte in meinem Album, aber zu Ende ist sie noch lange nicht!





















Hallo Peter,
das wundert mich nicht – nach Eurer „Privataudienz“ im Hause Neumann!
Es freut mich, wenn es gefällt.
Grüsse Gerd
Hallo Gerd
die Bilder kommen uns echt bekannt vor.
TOLL!!!
Mach bitte weiter so