Segeln mit Marinekuttern
Bei einem Besuch der DGzRS Station auf Norderney bin ich schon vor vielen Jahren auf einen besonderen Bootstyp gestoßen. Es handelt sich um den s.g. Marinekutter. Diese offenen Boote wurden bereits zur Kaiserzeit als Standard-Rettungsboote für 12 bis 15 Personen gebaut und eingeführt. Sie waren 7,5 bis 8,5 Meter lang und mit acht bis zehn Rudern und einem zweimastigen Luggerrigg als Hilfsbesegelung ausgestattet. Viele dieser sehr robusten und rustikal wirkenden Holzboote waren geklinkert. Ein spezielles Boot dieses Typs steht im Museumsschuppen der DGzRS auf Norderney: das RRB FÜRST BISMARCK. Auch die Bundesmarine fährt noch diesen Typ Kutter, allerdings mit zusätzlichem Motor, ca. einen Meter länger und in Kunststoff.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich bei mir der Wunsch einen solchen Kutter einmal selbst zu segeln. Bei meiner Suche nach Mitsegelmöglichkeiten fand ich heraus, dass es zwar noch zahlreiche solche Kutter bei Segelvereinen und Marinekameradschaften gibt (besonders im Osten), diese aber nur als Jugendkutter betrieben werden. Alle meine Versuche, dort für ein paar Tage anzuheuern wurden abgelehnt. Ausserdem sind die meisten Boote umgeriggt, d.h. sie fahren reine Gaffelbesegelung an Stelle der traditionellen Luggersegel. Diese ist einfacher zu bedienen und daher besser regattatauglich. Inzwischen werden auch spezielle Jugendkutter aus Kunststoff gebaut.
Im Herbst dieses Jahres konnte ich mir den lange gehegten Wunsch erfüllen: Ich fand die Möglichkeit, eine Woche auf einem alten Marinekutter zu segeln!
Ende September packte ich meinen Seesack und fuhr an den Bodensee. Bei Konstanz gibt es einen Verein, der sozialpädagogisches Segeln anbietet. Dort wurde ich als zusätzlicher Betreuer bei einer Schulklasse eingesetzt.
Zuerst wurden wir mit vielen maritimen Fachausdrücken vertraut gemacht. Das fremde Rigg hatte auch für mich neue Begriffe parat. Besonders die Schotführung und die Handhabung der Segel war einfach gewöhnungsbedürftig.
- Mit der SHALUPP und…
- … der SHALOM wollen wir eine Woche den Bodensee erobern!
- Regenschauer, dicke Wolken, Starkwind und Kälte können uns die Laune nicht vermiesen!
- Regenschauer, dicke Wolken, Starkwind und Kälte können uns die Laune nicht vermiesen!
- Die Besanschot wird von hinten unter dem Baum entlang nach vorne geschoren und von dort bedient. Die vordere Nock des Besanbaums wird mit einem Tampen an der Bank belegt.
- Das baumlose Großsegel (mit Reffbändseln) überlappt den Besanmast und wird mit zwei Taljen, ähnlich wie bei der Fock gefahren. Unsere Schoten haben unterschiedliche Farben, damit Backbord- und Steuerbordschot für jeden einfach zu unterscheiden sind.
- Die Schoten sind mit einem Klapp- und einem Wirbelschäkel eingepickt.
- Der Schotbeschlag mit den beiden Taljen.
- Die Masten stehen auf dem Kiel und werden mit einem eisernen Band an der Mastducht gehalten. Li. das Besanfall, re. der Tampen von der Nock.
- An der Großmastducht ist auch das Fockfall und die Talje für das Schwert belegt. Vorn der Schwertkasten.
- Die Rahen von Groß- und Besansegel werden am Mastring eingehakt. Die jeweiligen Falle laufen über eine Scheibe im Masttopp. Man beachte die Blechmanschetten als Schutz.
- Die SHALOM in Lee querab.
- Das muntere Häuflein an Bord genießt die seltenen Sonnenstrahlen. Der Autor mal an der Pinne.
- Die SHALOM kommt von achtern auf!
- Jetzt muss Marina konzentriert steuern!
- Landgang in Überlingen. Ein bisschen Kultur gehört zu jeder Klassenfahrt!
- Nächtliche Begegnung mit den Freunden. Dann kam der Abschied.
- Es wurde spät: Die Rückfahrt durch die Nacht ist ein ganz besonderes Erlebnis.
- Die ganze Crew wartet auf den Bus für die Heimfahrt.
Es hat mit Euch viel Spaß gemacht. Herzlichen Dank!
Und – Kuttersegeln: Sehr zu empfehlen!


















